21. April 2011

Memoiren
„Ich esse, also bin ich“ 
Ein Mann, zwei Fäuste, ein Buch: Bud Spencer legt seine Autobiographie vor

Von Marion Knerlich

Früher betrat er Türen mit Vorliebe durch die Füllung, und wenn er mit der Rechten jemandem die Hand schüttelte, langte er der Einfachheit halber mit der Linken gleich auch noch ins Gesicht des Gegenübers. Stoische Prügelaction mit hohem Spaßfaktor – Bud Spencer war ein Synonym dafür. Jetzt hat der Mime, der eigentlich keiner ist, sein Leben zwischen Buchdeckel gepreßt.

 

Die Fäuste bleiben diesmal unten: Bud Spencer in der Pressekonferenz zur Veröffentlichung seiner Memoiren    Foto: Marion Knerlich

„Nein, ein Schauspieler bin ich nicht, das habe ich nie gelernt“, sagt Bud Spencer. Doch genau damit hat sich das 81jährige Multitalent in die Herzen von mittlerweile fünf Generationen gespielt. Als brummeliger und schlagkräftiger Spaghetti-Western-Held. Als Haudrauf vom Dienst. Mit Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Sie nannten ihn Mücke“ oder „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“. 

Spencer, gebürtig Carlo Pedersoli, hat viel in seinem Leben erlebt: Der Berufskorpulente aus Italien hat Jura und Chemie studiert, war zweifacher Olympionike im Schwimmen, machte seine Fluglizenz – und hat so ganz nebenbei mal 112 Filme abgedreht.  

Daß Pedersoli auch als Autor schlagkräftige Argumente hat, bewies er jetzt bei der Vorstellung seiner Autobiographie „Bud Spencer – Mein Leben, meine Filme“ (240 Seiten, gebunden, Schwarzkopf & Schwarzkopf) in Berlin.  

Ballett ist nicht drin  

Seinem Lebensmotto „Scheiß drauf“ hat der gebürtige Neapolitaner, der auch als Komponist und Sänger tätig war, ein Lied gewidmet. Er sehe sich als Dilettant und liebenswerten Chaoten, dem nahezu jede Herausforderung in seinem Leben irgendwie geglückt sei, sagt er. Und auf die Frage, was er sich denn gar nicht zutrauen würde: „Da gibt es nicht viel. Aber Ballettänzer oder Reiten, das geht gar nicht!“  

In seiner Autobiographie begibt sich der altersbedingt mittlerweile am Stock gehende Pedersoli in das Hallenbad seiner Jugend, wo ein gutaussehender, unerlaubt rauchender und leicht überheblicher Schwimmsportler Anfang 20 auf ihn wartet: er selbst. Mit amüsiertem Unterton erzählt er die Stationen seines bewegten Lebens: der kleine Carlo in Neapel, die Jahre in Rom, seine Zeit in Südamerika, wo er am Ausbau der Panamericana im Amazonas-Dschungel tätig war, die erfolgreiche Zeit als Schwimmer, Studium und Familie, seine Zusammenarbeit mit Terence Hill und natürlich die Geburt des Alter Ego Bud Spencer. „Zu Western passen keine italienischen Namen. Deshalb haben wir uns englisch-taugliche Künstlernamen zugelegt“, erklärt Pedersoli mit blitzenden Augen. Sein Künstlername sei eine Mischung aus seinem Lieblingsbier Budweiser und der Sympathie für den Schauspieler Spencer Tracey, so der cineastische Berufsprügler, und zeigt in seinem Buch, daß er weit mehr ist als seine draufhauerisch erschaffene Kunstfigur.  

Dicke gesucht  

Daß er irgendwie zum Film kommen mußte, scheint eigentlich sonnenklar: Pedersoli heiratete die Tochter des einflußreichen italienischen Filmproduzenten Giuseppe Amato. Trotzdem begann seine Schauspielkarriere erst nach dem Tod des Schwiegervaters. „Wir bekamen einen Anruf eines Produzenten, der einen dicken, vollbärtigen Darsteller für den Western ,Gott vergibt – Django nie‘ suchte. Meine Frau Maria sagte ihm am Telefon, ich sei ohne die Schwimmerei noch dicker geworden und würde nur noch essen. Trotzdem kam die Rolle zunächst nicht zustande, weil ich pro Monat eine Million Lire, umgerechnet zirka 500 Euro, Gage haben wollte – für einen Nicht-Schauspieler damals eine unerhört freche Summe. Er fand keinen anderen Darsteller, und so fing alles an“, sagt der Haudegen mit dem ehemaligen Kampfgewicht von stolzen 156 Kilo schmunzelnd.  

Und das Rezept war einfach: Er als der grummelige Dicke und sein notorisch Probleme und Kloppe anziehender Co-Pilot Terence Hill, der Mann mit den blauesten Augen der Welt, drehten einen Kassenschlager nach dem anderen. „Und alles ohne Blutvergießen“, so Pedersoli über die Prügeleien vom Fließband. Obwohl die großen Filmerfolge längst vorbei sind, sei sein Verhältnis zu seinem Kollegen Hill nach wie vor ausgesprochen freundschaftlich. „Er ist Schauspieler und ich nicht, wir haben nie Probleme gehabt. Wir essen gerne zusammen, seine Frau kann nicht kochen, und er ißt bei mir gerne Pasta.“ Wie wichtig Essen für das Schwergewicht ist, stellt Bad Spencer alias Carlo Pedersoli bei dieser Gelegenheit auch gleich klar: „Ich esse, also bin ich!“ Was kaum gelogen ist. In Deutschland liebt er Bratkartoffeln, sagt der Mann, der Bud Spencer ist, selbst in einem seiner Filme: „Da lacht das Herz, wenn‘s was zu Fressen gibt.“ Mahlzeit! 

 

Marion Knerlich lebt und wirkt als freie Journalistin in Berlin.